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Menschenrechte
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(Auszug aus „Liberal hier und heute, eine Utopie?“ von Martin Orack)
Freiheit und Gleichheit sind
Gegensätze. Die Gratwanderung, der Ausgleich ist nur durch Brüderlichkeit zu
erreichen. Die drei Grundaussagen der französischen Revolution stehen also
nicht unabhängig nebeneinander, sondern sind abhängig voneinander und können
daher nicht teilweise, sondern nur unteilbar miteinander erfüllt werden.
Menschen müssen sich gegenseitig
achten, es darf nicht ausgegrenzt und nicht vereinnahmt werden, allen ist ihre
freie Entscheidung zu lassen.
Es ist aber nicht alles erlaubt, was
nicht verboten ist und es ist nicht alles verboten, was nicht erlaubt ist.
Zwischen erlaubt und verboten gibt es einen großen Freiraum, der mit
Menschlichkeit, Menschenwürde, Aufrichtigkeit,
Rücksicht, Freiheit und Toleranz
ausgefüllt werden muss.
Jede Form von Fremdenhass ist
unerträglich. Staatsgrenzen sind organisatorische Konstrukte, die das
Zusammenleben innerhalb dieser Grenzen regeln, aber sie dürften im Grunde
niemals die Bewegungsfreiheit eines Menschen einschränken. Menschenrechte und
Menschenwürde dürfen niemals auf ein Staatsvolk beschränkt werden. Deshalb sind
auch Begriffe wie „illegaler Einwanderer“ oder „Abschiebung“ unerträglich für
einen liberalen Demokraten. Abschiebungen sind unmenschlich und verletzten die
Menschenwürde.
Der Aufenthalt eines Menschen ist in
jedem Land der Welt zu dulden.
Die Bevölkerung jeden Landes muss
komplett von allen anderen Ländern aufgenommen werden können gemäß ihrem
Bevölkerungsteil. Alle Länder müssen verpflichtet werden, entsprechende
Unterkünfte bereit zu halten.
Es muss unbedingt von allen
UN-Mitgliedern anerkanntes Recht werden, dass sich jeder in jedem Land
aufhalten darf.
Flüchtlinge sollten bevorzugt in
Nachbarstaaten aufgenommen werden. Finanzielle Probleme sind durch einen
Finanzierungsausgleich unter Federführung der UN zu lösen.
Es darf keine Einschränkungen bei der
Bewegungsfreiheit oder Arbeitserlaubnis geben. Jedem muss zugestanden werden,
selbst für seinen Lebensunterhalt, seine Ausbildung zu sorgen.
Jeder sollte sich einmal vorstellen,
er möchte wegen einer Katastrophe Deutschland verlassen und wird vom Zielland
ohne Rücksicht auf Verluste in das lebensbedrohliche Deutschland
zurückgeschickt.
Jeder Mensch ist in über 190 Ländern
der Welt Ausländer. Allein schon aus Eigennutz sollte man Ausländer wie sich
selbst behandeln. Man stelle sich vor, ein Kernkraftwerk geht hoch oder die
Eifel-Maare brechen wieder aus oder ein Meteor schlägt ein oder in Folge des
Klimawandels wird die norddeutsche Tiefebene dauerhaft überflutet. Dann sind
wir darauf angewiesen, dass viele oder fast alle Deutschen von anderen Ländern
aufgenommen werden. Deshalb muss man Fremde bei aller Verschiedenheit mit Würde
behandeln wie man auch selbst in anderen Ländern mit Würde behandelt werden
möchte.
Die Forderung Rechtsradikaler, jeder
soll doch in sein Land gehen ist eine absurde Forderung. Jeder ist in seinem
Land, es gibt nämlich nur ein Land für alle, die Erde.
Den Rechtsnationalen sei gesagt: der
Ruf „Deutschland den Deutschen“ ist identisch mit der Forderung „Amerika den
Indianern“! Diese Demagogen wollen sicher nicht wirklich, dass über 200
Millionen Deutschstämmige aus aller Welt zurückkehren nach Deutschland und
damit unsere Bevölkerung vervierfachen.
Freiheit ist immer die Freiheit der
anderen, außer sie schränkt die Freiheit anderer unzumutbar ein.
Toleranz heißt nicht, alles zu
dulden, sondern bedeutet, Minderheiten zu ihrem Recht zu verhelfen, sie zu
schützen, ohne der Mehrheit zu schaden.
Toleranz geht nicht bis zur Selbstaufgabe,
sondern bedeutet, dass ich jeden nach seiner Vorstellung gewähren lasse, der
mir das entsprechend auch zugesteht.
Es können nur Religionsgemeinschaften
toleriert werden, die andere Religionsgemeinschaften oder Unglauben ihrerseits
tolerieren.
Fast jedes Land der Welt hat
ethnische Minderheiten und oft werden sie nicht zur Kenntnis genommen oder
unterdrückt. Gerade diese Minderheiten müssen grenzüberschreitende Sonderrechte
bekommen. So sollten sich Indianer zwischen USA, Kanada und weiteren angrenzenden
Ländern frei bewegen dürfen. Ebenso die Kurden zwischen Türkei, Iran und Irak.
Wenn es nicht gelingt, die derzeitigen staatlichen Strukturen für diese
Minderheiten zu lockern, dann muss man Kurden, Indianern und anderen einen
eigenen Staat zubilligen.
Rücksicht auf Minderheiten jeder Art
heißt Rücksicht auf die Schwachen zu nehmen.
Minderheit zu sein ist keine
Identität, sondern abhängig von der Situation kann ein und dieselbe Person mal
zu den Schwachen, mal zu den Starken gehören.
Das Recht, Rechte zu haben, gilt ohne
Ausnahme für alle Menschen. Gefangenenlager wie Guantanamo
sind für einen liberalen Demokraten unerträglich.
Mauern und Zäune bedeuten, dass man
aufhört, nach Lösungen zu suchen. Das gilt für die frühere Mauer in
Deutschland, die jetzige in Israel, den Zaun zwischen USA und Mexiko ebenso wie
für bewachte Wohngebiete für die Wohlhabenden.
Mauern sind das Ende des
Zusammenlebens. Auch wenn es sie in der Geschichte der Menschheit immer wieder
gegeben hat, die globalen Zusammenhänge heute geben Mauern eine andere
Qualität. Jede Mauer beeinflusst nicht nur ihre unmittelbare Umgebung, sondern
die ganze Welt.
Jede Mauer, jeder politisch
motivierte Zaun zwischen Bevölkerungsgruppen ist überall auf der Welt eine
politische Bankrott-Erklärung, es gibt dafür keinerlei Entschuldigungen. Jede
solche Anlage ist ein Speicher für Gewalt.
Bei allen Erfolgen der Gleichstellung
von Mann und Frau und ihrer zukünftigen Entwicklung, eine Ungleichheit wird
immer bleiben: Männer können keine Kinder gebären. Vielleicht neigen deshalb
viele Männer aus Angst, eines Tages überflüssig zu werden, dazu, diesen ihren
Nachteil zum Nachteil der Frauen zu machen.
Demokratie beruht auf Vertrauen aller
gegenüber allen, sonst könnte man Mehrheitsbeschlüsse nicht akzeptieren. Da die
Mehrheit so mächtig ist, muss es Regeln geben, durch die Minderheiten geschützt
werden. Meinungsfreiheit ist eine der wichtigsten Regeln. Wenn jedes Wort
sicherheitspolitisch auf die Goldwaage gelegt wird, dann ist die Demokratie
tot. Es gibt ein Grundrecht auf Freiheit, aber keines auf Sicherheit, eben weil Demokratie auf
Vertrauen baut, nicht auf absoluter Sicherheit.
Für die Gesellschaft wie für eine
Partnerschaft gilt
Vertrauen ist nicht
die Erwartung, dass der Partner alles
erzählt, was er denkt und macht, denn das wäre Kontrolle,
dem Partner immer wieder Fehler
vorzuhalten, die er einem einmal anvertraut hat, denn das wäre Misstrauen,
von einem Partner anzunehmen, dass er
genau meine Erwartungen erfüllt, denn
das wäre Gängelung.
Vertrauen bedeutet
die Annahme, dass der Partner alles
wohlüberlegt tut und mich nicht vergisst, das ist echtes Verständnis,
den Partner zu akzeptieren und von ihm akzeptiert zu werden ohne Wenn und Aber,
das ist echte Zuneigung.
Der Staat muss seinen Bürgern
vertrauen, denn sonst zerbricht er. Der Staat muss sich in allem auf die
Rahmenbedingungen beschränken, aber nicht die operative Gestaltung der
Gesellschaft übernehmen. Die Gesellschaft muss sich im gegebenen Rahmen in
möglichst großer Freiheit selbst organisieren. Die Rahmenbedingungen müssen
ständig an die reale Entwicklung angepasst werden, verlässlich, nachhaltig und
mit ausreichendem Vertrauensschutz, sie dürfen die gesellschaftliche Entwicklung
in keiner Weise behindern.
Leider wird in der öffentlichen
Diskussion nicht sauber unterschieden zwischen Video- und Kameraüberwachung.
Aber es ist ein erheblicher Unterschied im Aufwand und in der Sicherheit.
Bei einer direkten Beobachtung mit der
Kamera gibt es eine Verbesserung der Sicherheit, die Möglichkeit der
Tatverhinderung und der direkten Täterergreifung. Der personelle Aufwand ist
aber erheblich.
Bei Videoaufzeichnungen ist mit
deutlich geringerem Aufwand eine spätere, gezielte Auswertung und eventuell
eine Täteridentifizierung möglich, eine Tatverhinderung aber nicht.
Es ist eine Täuschung der Bevölkerung
zu behaupten, mit Videoüberwachung könne man Taten verhindern, also die
Sicherheit erhöhen.
Eine allgemeine direkte
Kameraüberwachung ist wegen der finanziellen und personellen Aufwands gar nicht
durchführbar, eine allgemeine Videoaufzeichnung kann aber entgegen einer
Kameraüberwachung später missbräuchlich ausgewertet werden.
Der Staat muss nicht stark sein, um
seinen Bürgern Vorschriften zu machen wie sie sich zu verhalten haben, sondern
um dafür sorgen zu können, dass dem Einzelnen seine Freiheit nicht von anderen
genommen wird.
Die Freiheit des Einzelnen ist
unabdingbare Voraussetzung für die Demokratie, denn Abhängigkeit macht erpressbar.
Deshalb dürfen Redefreiheit und Versammlungsfreiheit niemals eingeschränkt
werden.
Die Mitbestimmungsrechte des
Betriebsverfassungsgesetzes sind wichtige Voraussetzung für die weitgehende
Unabhängigkeit der Arbeitnehmer.
Auf allen genannten Gebieten müssen
wir wachsam sein gegenüber schleichenden Einschränkungen. So bedeuten die
Begehrlichkeiten nach einer totalen Überwachung das Ende der persönlichen
Freiheit. Unser Grundgesetz bietet viele Möglichkeiten, die Freiheit des
Einzelnen gegen Einschränkungen zu sichern. Jeder sollte sich immer wieder
darauf berufen und für die Einhaltung der Grundrechte eintreten.